Hokkaido Reisen

 

Fernweh war es wahrscheinlich wieder einmal, als mir einfiel, dass ich in diesem Blog meine Bilder von dem Riesen-Fischuhu (Bubo blakistoni) zeigen und darüber berichten könnte. Dazu suchte ich erst einmal meine Reisetagebücher heraus, um nachzuschlagen, was mich dazu bewegte. Drei Reisen machte ich dorthin, eine davon mit meiner Frau, sie zählen zu den angenehmsten unserer zahllosen Reisen im Dienste der Naturfotografie. Wir waren immer Individualreisende, schon um ungestörter arbeiten zu können denn in einer Gruppe hat man sehr viel weniger Gelegenheit, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung herzustellen. Meine Reisetagebücher und die meiner Frau sind ein Lobgesang auf die Gastfreundschaft, die wir auf Hokkaido erlebten. So war es auch mit der Kontaktherstellung zu der Gelegenheit, Fischuhus, die ich vorher gar nicht kannte und hier so gut fotografieren konnte, eher Zufall. Ich hatte hier einen englischen Fotografen kennengelernt, der mich darauf aufmerksam machte und mir den Platz an einem Bach zeigte. Das eine Bachufer erinnerte stark an ein Fotostudio, Blitzgeräte mit und ohne Kabel und auch einem Scheinwerfer, denn Eulen jagen nun einmal Nachts. Am anderen Morgen kam ich noch einmal zurück an diesen Platz und da war in der kleinen Lodge nebenan ein langer Frühstückstisch gedeckt. Gefrühstückt hatte ich zwar schon, aber ich ging trotzdem hinein und traf gleich die richtigen Leute. Ich wurde nicht nur herzlich empfangen, sondern es wurde mir auch gleich ein Platz am Bach für den Abend angeboten, musste aber passen, denn darauf war ich mit meiner Ausrüstung nicht eingerichtet. Aber der Kontakt war für die Zukunft hergestellt.

Im folgenden Jahr reiste ich mit meiner Frau und wollte mit ihr im Woody Hotel in Tsurui, das ich so sehr schätzte, absteigen. Es ging aber nicht, zu viele Fotografen waren schon da und es war Wochenende. Aber die Besitzerin erinnerte sich meiner und bot an, uns privat bei Freunden auf einer Farm unterzubringen, „aber es wird laut, da wird eine Hochzeitsparty gefeiert“, warnte sie uns. Wir haben auf unseren vielen Reisen gelernt, uns anzupassen und hatten damit kein Problem. Wir fanden auch bald die sehr einsam gelegene Farm. Hier wurden wir zuerst von einem großen schwarzen Hund....nein, es war ein schwarzes Schwein, das frei herum lief, freundlich begrüßt. Nach allen, für uns sehr besonderen Formalitäten wurde es ein aufregender Abend mit einem opulenten Dinner. Es wurde an diesem Abend aber nicht, wie üblich in Japan, mit Stäbchen gegessen. Fast alle sprachen mehr oder weniger gut englisch, einer war auch schon in Deutschland gewesen. Alle kannten Michio Hoshino, den seinerzeit weltbekannten japanischen Naturfotografen. Sie waren sehr interessiert, als sie hörten, dass wir ihn und seine liebe Frau in seinem Haus oberhalb des Chena Rivers in Fairbanks, Alaska besucht haben. Das Dinner bei ihnen ging über Stunden und war hervorragend. Das brachte mir strafende Blicke meiner Frau ein, hatte ich etwa zu viel gegessen? Wir werden diesen Besuch nie vergessen, denn dass wir einmal von einem gebürtigen Japaner und naturalisiertem Amerikaner auf die deutschen Schriftsteller, Thomas Mann und Michael Ende, angesprochen werden, das hätten wir uns nie vorstellen können. Die Bitte an Michio, eine Einladung als Vortragender zum Fotofestival nach Vargarda, Schweden, anzunehmen, wurde im folgenden Jahr erfüllt. Er kam danach auch noch nach Deutschland. Leider wurde dieser phantastische Mensch und Künstler dann 1996 auf Kamchatka das Opfer eines tragischen Bärenunfalls. Ausgerechnet er, der die Bären so gut kannte und liebte. Wir hatten also auf dieser Hochzeitsparty ganz interessante Gespräche.

Aus unserer Fischuhu-Fotografie wurde es leider nichts in diesem Jahr, aus verschiedenen Gründen, u.a. hatte sich die Kontaktadresse geändert.

Bei meinem dritten Besuch klappte es aber endlich, ich bekam dreimal einen Platz am Fluss , hatte zwei infrarot gesteuerte Blitzgeräte, eines auf der Kamera, ein zweites etwas näher am Ort des Geschehens und bekam so ein paar Bilder von dem Riesen-Fischuhu, engl. Blakiston`s Fish Owl. Mit einem Transmitter wäre es vielleicht noch besser gegangen. Acht Autos standen am Ufer, einige Fotografen arbeiteten mit Kabelfernauslösung. So wie ich arbeiteten die überwiegenden Canon-Fotografen mit der Infrarot-Fernsteuerung. Wir mussten uns erst einmal über die Nutzung der vier damals zur Verfügung stehenden Kanäle einigen. Aber die Nachbarn waren alle sehr nett und hilfsbereit.

 

 

 

 

 

 

Ein anderes lohnendes Photo-Objekt waren die Seeadler von Hokkaido, sowohl der eurasische Seeadler, engl. White-tailed Eagle, als auch der Riesenseeadler, engl. Steller`s Sea-Eagle. Dieser brütet hauptsächlich an der russischen Pazifikküste der Beringsee, den nördlichen Kurilen-Inseln und auf Kamchatka. Etwa 2000 überwintern im Bereich der Shiretoko Halbinsel. Bis hier reicht im Winter die arktische Treibeisgrenze. Hokkaido gilt als subarktisch und ist bekannt für harte und sehr schneereiche Winter. Die Kleinstadt und der Fischereihafen Rausu liegt neun Breitengrade südlicher wie meine Heimatstadt Lübeck (530 N). Von hier aus fahren im Winter Ausflugsschiffe mit Besuchern an die Treibeisgrenze. Sie haben natürlich Fisch oder Fischabfall an Bord und so ist der Erfolg garantiert. Man muss nur etwas Glück mit dem Wetter haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Kranich-Fan waren natürlich die Mandschurenkraniche, engl. Red-crowned Crane, jap. Tancho, der Hauptgrund für meine Reisen. Dieser wunderschöne Vogel gilt auf Hokkaido als Erfolgsstory des Naturschutzes, der Bestand hier beträgt über 1200 Vögel (2008) nachdem er Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts fast ausgestorben war. Früher wurde er stark verfolgt, obwohl er als heilig galt. Man hatte gerade noch rechtzeitig erkannt, wie sehr der Kranich in seinem Bestand gefährdet war und es erhob sich eine Welle der Hilfsbereitschaft über das Land. Erst sehr spät erkannte man, dass es sich keineswegs nur um Wintergäste handelte, sondern das Hokkaido eine eigene Population hat. Diese wandern nicht, im Gegensatz zu den chinesischen Verwandten und der sibirischen Population im Bereich der Flüsse Amur und Ussuri, die im Winter südwärts wandert. Erst Anfang der siebziger Jahre entdeckte man im Kushiro-Shitsugen Feuchtgebiet bei einem Überflug über fünfzig Kranich-Nester. Im Winter wird der Tancho an zwei Plätzen gefüttert, im Tsurui-Ito Bird Sanctuary (Tsurumidai) und am Akan International Crane Center. Es wird hier auch mit Fisch gefüttert, was dazu führt, das eine halbe Stunde vor den Fütterungszeiten die ersten Seeadler und andere Greife auftauchen um den Kranichen das Futter streitig zu machen.

Gute Information finden Sie auf der Website der Wild Bird Society of Japan: http://www.wbsj.org/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sturmtief "Kalle"

 

So hieß das Sturmtief, das Anfang September über Norddeutschland und das südlichen Skandinavien hinwegzog. Solche Tiefs können dem Landschaftsfotografen mit seinen schnell wechselnden Wolkenbildern hervorragende Möglichkeiten bieten, vorausgesetzt, er ist wetterfest gekleidet. Schöne Bilder machte ich an der schwedischen Süd-Ostküste bei Simrishamn. Diese Küste wird touristisch auch die schwedische Riviera genannt. Mit allen Folgen: Dünen und Küstenwälder sind leider von Ferienhäusern durchsetzt. Es gibt aber auch schöne Naturschutzgebiete.

 

 

Das erste Foto machte ich bei Brantevik. Der Vordergrund bestand aus Raps- und Weizenstoppeln, und lag in der Abendsonne, die sich einen Durchschlupf unter den Wolken gesucht hatte. Am Horizont waren schwarze Wolken und davor zwei Regenbögen und eine einsame Windkraftanlage.

 

 

Am anderen Tag besuchten wir Ales Stenar bei Kaseberga, der am besten erhalten Schiffssetzung Schwedens, wahrscheinlich aus der jüngeren Eisenzeit. Schon als wir die siebenunddreißig Meter hohe Steilküste hinauf stiegen, zog von Süd-West her ein Gewitter auf, das die zahlreichen Besucher (ca. 700 000 pro Jahr!) zur Flucht veranlasste. So hatten wir die ganze Szene ungestört für uns. Auf dem Rückweg goß es allerdings.

 

 

Auf dem Weg nach Malmö passierten wir die großen Weizenfelder Schonens, schließlich ist dies die Kornkammer Schwedens. Die frisch gemähten Weizenstoppeln mit ihren Strukturen und einzelnen Waldinseln ergaben vor dem Hintergrund der Schauerwolken weitere schöne Motive.

 

 

Den schlimmsten Sturm aber erlebten wir an der Süd-Westküste Schwedens bei Trelleborg. Hier hatte ich schon im Vorjahr einen Windflüchter fotografiert. Windflüchter, in diesem Fall eine Kiefer, sind Bäume, die unter ständigen starken Windeinfluss aufgewachsen sind und dadurch oft die merkwürdigsten Figuren abgeben. Dieses mal wollte ich diesen Baum im Abendlicht aufnehmen und wählte dazu eine Langzeitbelichtung bei Benutzung eines Graufilters.

 

 

In der Nähe stand eine ganze Gruppe solcher Baumgestalten. Diese Gruppe war gut zu Fuß zu erreichen, aber auf Anraten meiner Frau fuhr ich doch mit dem Auto auf einen Parkplatz dicht davor, und das war gut so, denn im Hintergrund kam schon eine schwarze Wand über den Öresund geflogen. Ich konnte gerade drei Fotos machen und musste dann schnellstens ins Auto springen. Ein Regen- und Hagelschauer prasselte auf uns nieder, so das ich schon um unsere Windschutzscheibe bangte. Ich sollte aber noch eine zweite Chance bekommen, der Schauer legte eine Pause ein, die Sonne lugte durch ein Wolkenloch und so sah der Himmel sehr dramatisch aus. Ein perfekter Hintergrund für diese Baumgruppe. Danach schloss sich der Himmel.

 

 

Nicht jedes Schauerwetter ist so „schaurig“ schön und fotogen, meistens ja nur einfach grau. So fotografierte ich 2005 bei einem abendlichen Regenschauer den Kranichzug an der Boddenküste Vorpommerns. Obwohl ich seitdem jeden Herbst, also zehn Jahre lang, diesen Platz wieder für eine Woche besuchte habe, erlebte ich so etwas nie wieder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Singschwäne des Kussharo Sees

 

Unser Besuch auf Hokkaido, der nördlichsten Insel Japans, galt eigentlich den Mandschurenkranichen in den Flußauen des Kushiro Rivers. Aber unsere Neugierde ließ uns das Land erkunden und das war gar nicht so einfach. Der Autovermieter hatte uns zwar stolz das gerade aufkommende Navigationsgerät des Autos ausgiebig erklärt, aber wir konnten die japanischen Schriftzeichen nicht lesen. Mit der uns gegebenen Landkarte war es das gleiche. Nur der Abgleich des Straßennetzes mit einer in Kanada gedruckten englischsprachigen Karte half uns und so fanden wie auch den Lake Kussharo. Dieser war zur Zeit unseres Besuches im Februar tief gefroren. Dazu muss man wissen, das Hokkaido trotz seiner geringen nördlichen Breite als subarktisch gilt, die arktische Treibeisgrenze erreicht im Winter die Insel. Die Nordspitze Hokkaidos liegt auf 45°.30' Grad, auf dieser Breite liegt in Europa Venedig. Die Insel ist ungewöhnlich schneereich, kein Wunder, das die Olympischen Winterspiele in Sapporo stattfanden. Wir sahen sogar überdachte Straßenabschnitte.

Das hier trotzdem Singschwäne rasten hängt mit den heißen Quellen (jap. Onsen), zusammen, die es hier wie überall in Japan gibt, denn Japan ist nun einmal von Vulkanen geprägt. Diese Thermalquellen werden besonders gerne vom Menschen genutzt und spielen in der japanischen Kultur eine wichtige Rolle. Versehen sind sie mit Umkleideräumen, diese gibt es von luxuriös bis schlicht und einfach. Sie sind fast immer in schöner Natur gelegen. Eine solche eine Anlage gibt es auch am Lake Kussharo, geteilt von Mensch und Tier, eben den Singschwänen. Die Dampfschwaden, die bei der hier eisigen Kälte entstehen (bis -30 0 ) bieten gute Fotomöglichkeiten. Das Bad ist von ergreifender Schlichtheit, ein natürliches Becken von Felsen eingefasst, in der Mitte ein besonders großer Stein, der die Damen- von der Herrenabteilung trennt. Dazu gibt es zwei kleine Blockhütten als Umkleide und zur Vorreinigung gedacht. Bei dem sehr heißen (über + 400) Bad kann man dann den Schwänen zuschauen und zuhören. Wir hatten bei dem Ausflug an diesem Tag leider nicht an Badezeug und Handtuch gedacht, aber bei anderen Gelegenheiten haben wir sehr die Bäder in den Onsen genossen.

 

 

Die Thermalquelle am Kussharo See

 

Der Schwanenvater "at work"

 

und nach der Arbeit

 

 

Zum Schluss spielte er auf seiner Panflöte

 

 Zur Galerie Singschäne

 

 

Eine ganz besondere Reise

Klaus Warter


„Was wollt ihr denn eigentlich in Indien, dort soll es ja nur schmutzig sein“. Das war eine der üblichen Klischees, die meistens von Leuten kamen, die noch nie dort waren. Aber jede Medaille hat nun einmal zwei Seiten. Gut, so wie zu Hause ist es dort nicht, wir haben aber auch saubere Dörfer gesehen und selbst in den Metropolen geht es relativ sauber zu. Natürlich gibt es dort auch Slums, die sehr fragwürdig sind. Delhis Bevölkerung nähert sich inzwischen der 20-Millionengrenze und Bombay wird bald 25 Millionen Einwohner haben. Die Hauptstadt Rhajastans, Jaipur, hat ca. 3 Millionen Einwohner, sie ist also ungefähr so groß wie Berlin. Auf dem asiatischen Kontinent zählen ganz andere Maßstäbe als bei uns.

Ich muss sagen, das wir eine wundervolle Reise hinter uns haben. Indien ist ein Paradies für Fotografen und Künstler, farbenfroh, wie wir es in keinem anderen Land kennengelernt haben. Alles war ungewohnt, die Motive stürmten nur so auf uns herein. Bedenkt man, das es auf dem indischen Subkontinent ungefähr zeitgleich mit dem römischen Reich Hochkulturen gab, so ist damit ein großes Feld der Beschäftigung eröffnet. Das Sanskrit ist eine der ältesten Schriftsprachen der Welt und es soll durchaus fraglich sein, welche Stadt älter ist, Rom oder Delhi.

In diesem Beitrag möchte ich mich auf den Teil der Reise beschränken, der dem Naturerlebnis und der Naturfotografie gewidmet war und das war nur etwa ein Viertel unserer 35-tägigen Reise. Ein Besuch galt Khichan, unweit Phalodi in der Wüste Thar auf ca. halber Strecke zwischen den Wüstenstädten Bikaner und Jaisalmer gelegen. Hier gibt es einen Rastplatz der Jungfern-Kraniche (Anthropoides virgo), die hier aus ihren Süd-Ost Europäischen und Zentralasiatischen Lebensraum kommend, den Winter verbringen. Diese Rastplatz-Tradition hat sich durch Fütterung der Dorfbewohner gebildet. Ihre Zahl lag bei unserem Besuch im unteren vierstelligen Bereich und sie zu fotografieren war nicht sehr schwierig. Dadurch, das der Rastplatz direkt am Dorfrand lag, waren sie die Störung durch Kinder und Hirten, die abends mit ihren Herden heimkehrten und auch durch Dorfhunde gewöhnt. Einmal sahen wir, wie ein Hund durch eine größere Versammlung der Kraniche lief. Nur die am nächsten stehenden Vögel ließen sich erschrecken und hopsten beiseite.

Jungfernkraniche - Anthropoides virgo

Der nächste Besuch galt dem Keoladeo National Park bei Bharatpur, wo wir hauptsächlich den Sarus Kranich sehen und fotografieren wollten. Ist der Jungfern-Kranich der kleinste aller fünfzehn Kranicharten mit ca. 90-100 cm Grösse, so ist der Sarus-Kranich der Größte mit ca. 170 cm. Dieser Park ist, wie fast alle indischen Nationalparks, als Jagdgebiet des jeweiligen Maharajas entstanden. Keoladeo ist als Niederungsgebiet durchaus „man made“. Ein Damm, der 1760 gebaut wurde, soll Bharatpur vor den Fluten des Monsuns schützen. Der Maharaja von Bharatpur ließ das durch den Stau entstandene Freuchtbebiet für sich und seine Freunde zur Entenjagd herrichten. Die höchste Strecke eines Tages lag bei 4300 Stück, 1938 geschossen von 39 Schützen. Auch ein preußischer Kronprinz hat hier 1910 einmal gejagt. 1964 wurde die Jagd in Indien verboten, 1982 wurde das 29 Km2 große Gebiet zum Nationalpark erklärt. Meine „Schüsse“ mit der Kamera in diesem Park galten hauptsächlich den Saruskranichen, die hier noch vorkommen. Früher waren sie über ganz Indien verbreitet, sie sind aber inzwischen selten geworden. Drei Tage sind wir mit einer Fahrradriksha durch den Park gefahren und haben mehrfach Saruskraniche gesehen, meistens viel zu weit entfernt. Den schönsten Anblick konnten wir leider nicht im Bild festhalten. Wir hatten stundenlang ein Kranich-Paar beobachtet, das etwa 4-500 Meter vom Weg entfernt stand. Tatsächlich kam es dann auf uns zu und stellte sich ca. 200 Meter vor uns auf einen kleinen Hügel, der als Aushub eines kleinen Wasserloches entstanden war. Und dann tanzten diese großen Vögel, ein unvergesslicher Anblick. Für mein 400 mm Objektiv war das viel zu weit und so ruhte die Fotoausrüstung noch im Rucksack. Meine Hoffnung, sie würden sich uns noch weiter nähern, erfüllte sich nicht. Nach dem Tanz nahmen sie sich auf und flogen davon. Wir hatten aber noch mehrfach Anblick, auch auf fotografisch brauchbare Entfernungen und kamen so zu einigen schönen Bildern.

Saruskraniche - Grus antigone

Ein anderer Wintergast, der Schnee- oder Sibirische Kranich wurde zuletzt im Jahr 2002 gesehen. Die Reise auf der westlichen Zugroute durch Pakistan war wohl zu gefährlich.

Zur Galerie Kraniche der Welt

 

 

 

 

 

 

 

Der afrikanische Wolf

Klaus Warter

 
Ja, der Name ist falsch und ist nur im übertragenem Sinne zu verstehen, obwohl es im Verhalten zum Eurasischen und Nordamerikanischen Wolf doch einige Parallelen gibt. Noch mehr daneben ist allerdings der offizielle deutsche Name „Hyänenhund“, denn mit den Hyänen ist er nun überhaupt nicht verwandt. Die englischen Namen „African Wild Dog“ oder „African Hunting Dog“ treffen auf diesen echten Caniden viel besser zu.
Dieser afrikanische Wildhund ist leider vom Aussterben bedroht, er steht auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet und ist bereits aus weiten Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes verschwunden. Das gilt besonders für die Savannen Ost-Afrikas, während er in Botswana, Sambia und Zimbabwe noch häufig vorkommt. Einer der Gründe sind wohl die Hundekrankheiten, die der weiße Einwanderer aus Europa mitbrachte und die von den vielen halbwild herumlaufenden Dorfhunden übertragen wurden. Der Hauptgrund war aber das so genannte „farm clearing“ wie es früher betrieben wurde, das heißt, Farmer bestellten einen Berufsjäger, der alles totschoss, was der Mensch als Nahrungskonkurrent ansah. Da gehörten durchaus auch Nashorn oder Elefant dazu, denn schließlich verwüsteten sie ja die Maisfelder und da hatte auch der überaus effektive Jäger, der Wildhund keinen Platz. Dieses hoch sozial lebende Wesen jagte manchmal in Rudeln von bis zu fünfzig Mitgliedern zusammen. Der einzelne Angreifer setzt dem Beutetier manchmal nur einen einzigen Biss zu, dann kommt der nächste Hund aus anderer Richtung und macht dasselbe. So erleidet das Beutetier einen langsamen Tod, was natürlich vom Menschen als grausam empfunden wird und den Wildhund verhasst macht.


Hunting Dogs in der Ruhephase


Trotzdem die Zusammenarbeit innerhalb des Rudels so phantastisch funktioniert, glaubten früher Verhaltensforscher, dass es innerhalb des Rudels keine Rangordnung gäbe. Das hat sich als falsch herausgestellt, der Alpha-Rüde beziehungsweise die Alpha-Hündin treten nur nicht so offensichtlich erkennbar auf wie in einem Wolfsrudel. Ähnlich wie in einem Wolfsrudel werden auch bei ihnen rangniedere Hündinnen an der Mutterschaft gehindert. Ich sagte schon, dass der Hund in den Savannen Ost-Afrikas weitgehend ausgestorben ist. Jedenfalls in Somalia und allen Ländern nördlich der Sahara, Kenia? Ich bezweifele, dass es dort noch welche gibt. In Tansania gibt es noch einige wenige in der Ngorongoro Game Reserve. Es gibt sie noch in der Selous Game Reserve Süd-Tansanias und es soll noch welche geben im Ruaha National Park, doch als ich diesen besuchte, hielten sie sich angeblich in dem angrenzenden Preserve Teil des Parks auf.
Ich habe sie in der Selous Game Reserve erleben dürfen, die ich besonders im Hinblick auf diese Wildhunde mit meiner Frau besuchte. Wir hatten bei unserer Ankunft nach ihnen gefragt und das unwahrscheinliche Glück wollte es, das sich ein vierzehn- bis fünfzehnköpfiges Rudel nahe unserer Lodge am Rufiji River aufhielt. Nicht nur das, wir hatten auch einen sehr guten Fahrer und Guide und ein Fahrzeug für uns allein, wofür wir sehr dankbar waren. Dies ist eine wünschenswerte Voraussetzung für eine erfolgreiche Naturfotografie. Selous Game Preserve ist nicht so sehr offene Savanne wie es der Wildhund gerne hätte, eher Busch- und Waldlandschaft. Das war ein Grund, weshalb es uns nicht gelang, Jagdszenen zu fotografieren. Der andere Grund liegt allerdings in den Bestimmungen heute fast aller Parks, nämlich das man bei Sonnenuntergang im Camp zurück sein muss und das ist genau die Zeit in der nicht nur die Hunde, sondern auch die Großkatzen zur Jagd aufbrechen. Sonnenaufgang? Da muss man ja schon um 5 Uhr in der Frühe aufstehen und das wird von dem normalen Safari-Touristen nicht so unbedingt gewünscht und daher auch nicht als Start zur Safari angeboten. Leider, denn so gehen einem die Stunden mit dem besten Fotolicht verloren.

 

Ein zu gefährlicher Gegner!

 

Wird hier Dominanz gezeigt?

 

Wir konnten ein Rudel mehrere Tage beobachten. Meistens lagen sie nur schläfrig um ein Wasserloch im Schatten alter Bäume herum oder spielten auch mal im Wasser. Auch den Leithund oder alpha-Rüden glaubten wir zu erkennen, denn dicht neben unserem Wagen hob ein starker Rüde seinen Hinterlauf und markierte nach Hundeart, dann sahen wir eine Unterwerfungsszene.

Ein besonderes Erlebnis aber war, das ein starker Pavian an der Tränke erschien und es so zu einer Konfrontation mit einem Hund kam. Nun ist der Pavian das wohl am meisten unterschätzte Tier Afrikas. Der Leopard weiß durchaus, welch ein gefährlicher Gegner ein erwachsener Pavian-Mann ist, dieser hat ein fürchterliches Gebiss und er denkt gar nicht daran, ihn anzugreifen. Selbst in eine Pavian Herde dringt er kaum mal ein, hat er doch dann die ganze Bande am Hals.

Fand hier eine Verständigung statt?

 

Die Welpen folgten als letzte.

 

Am späten Nachmittag liefen die erwachsenen Hunde in einer gewissen Erregung aufeinander zu, es sah so aus, als verabredeten sie sich zu einer Jagd. Die sechs ca. 6-8 Monate Welpen des Rudels wurden auch ganz aufmerksam, spielten erst noch mit einem belaubten Zweig und folgten später dem Rudel mit Abstand.

Wir verloren das Hunderudel aus den Augen, sie waren weitergewandert. Uns hatte es jedoch in kurzer Zeit einen tiefen Einblick in sein Sozialleben gegeben.

Diese Erlebnisse waren mir Anlass, mich weiter mit ihrem Verhalten zu beschäftigen und um darüber zu berichten, brauchte ich weitere Informationen. So las ich ein Buch, das hieß „Solo, ein Hundeleben in der Serengeti“ und war geschrieben von Hugo van Lawick. Dieser war in den Sechziger- und Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein bekannter Tierfilmer, der vor allem durch die filmische Begleitung von Jane Goodall´s Verhaltensforschung an Schimpansen am Gombe River in Tansania bekannt geworden war und die er später auch heiratete. Folglich waren die Autoren des zweiten Buches Jane van Lawick-Goodall und Hugo van Lawick-Goodall. Der englische Titel dieses Buches war “Innocent Murders“, deutsch: „Unschuldige Mörder“. In diesem Buch berichteten sie über ihre Studien an dem afrikanischen Wildhund, an Goldschakalen und an Hyänen. Hier fanden wir einige der Verhaltensweisen, die wir beobachten konnten, wieder. Hugo von Lawick berichtet in diesem Buch, das 1972 erschienen ist, von Wildhundrudeln (Mehrzahl!) in der Serengeti. Kaum mehr als zwanzig Jahre später, 1996, wurde der letzte Wildhund in der Serengeti gesehen und fotografiert. Seitdem gibt es dort keine Wildhunde mehr.


Die Jagd beginnt!

 

Wir sollten noch ein zweites Mal die Gelegenheit bekommen den afrikanischen Wolf ausgiebig zu beobachten. Das war in Botswana an der Grenze zu Namibia am Linyanti River, der später als Chobe River in den Sambesi mündet. Dieses Gebiet und das Okawango Delta stellt heute das größte zusammenhängende Verbreitungsgebiet des Wildhundes dar. Wir hatten nicht nur das Glück ein Rudel über längere Zeit beobachten zu können, sondern auch nach einer halsbrecherischen Fahrt in einem speziellen Geländefahrzeug konnten wir sehen, wie sie ein Giraffenkalb erbeuteten. Das waren aufregende Minuten zur Zeit des Sonnenunterganges, alles ging unglaublich schnell und meine Frau und ich waren froh, das weder wir noch meine Fotoausrüstung unfreiwillig den Wagen verlassen hatten.

 

                 Das Fahrzeug hatte einmal mehr Spuren erhalten!

 

 

Zur Galerie African Hunting Dog

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Über die Fotografie von Braunbären

Gefährlich meinen Sie? Nachdem meine Frau und ich uns viele Jahre mit der Fotografie von Braunbären beschäftigt und ihr Verhalten beobachtet haben, glauben wir das nicht mehr. Aber Angst ist menschlich und kaum zu beeinflussen. So gibt es Menschen, die glauben, dass, wenn sie im Bärenland sind, jeder Bär nichts anderes zu tun hat, als sich auf sie zu stürzen und sie zu fressen. Das Gegenteil ist aber der Fall, er versucht, wie jedes andere Tier, dem Menschen auszuweichen. Wir konnten das sehr schön auf den großen Wiesen und auf den Wattflächen an der Küste der Shelikoff Strait, Alaska, beobachten. Versuchte man sie zum Beispiel anzugehen, wenn sie beim „clam digging“, Graben nach Muscheln, waren, liefen sie zwar nicht weg, aber sie versuchten, Distanz zu halten. Auf den Bildern, die ich beim Angehen schoss, war eigentlich immer am besten das Hinterteil zu sehen. Wir machten die Erfahrung, dass man gute Fotos vom Verhalten der Bären nur bei stundenlangem, geduldigen Ansitzen schießen kann. Und dann sind sie plötzlich vertraut. Es macht ihnen überhaupt nichts aus, sich dem ruhig sitzenden Menschen bis auf nur wenige Meter zu nähern. Man muß sich aber bemerkbar machen, denn Bären äugen nicht besonders gut, wir sprechen dann in einem ruhigen Ton mit ihnen. Bären können auch sehr schreckhaft sein! Außerhalb der Parks wird der Bär bei ähnlichen Gelegenheiten oft in Notwehr erschossen, meistens grundlos, aber nicht jeder hat  dann die bei Nahbegegnungen nötigen Nerven.

Eine sehr kooperative Bärin. Sie kam am Moraine Creek auf uns zu, legte sich hin und säugte.
Dann posierte die Familie für ein Gruppenfoto.
   
Sehr selten: eine Bärin mit vier Jungen. Sie war eine alte, erfahrene Bärin.

Bei dieser Annäherung und auch bei anderen Gelegenheiten wird man feststellen, dass er den Menschen überhaupt nicht beachtet, ja, jeden Blickkontakt vermeidet. Das darf nicht fehlgedeutet werden und zu der Annahme verleiten, er hätte einen nicht gesehen. Einen Bären zu täuschen, halte ich bei seinen guten Sinnen für unmöglich. Bei unseren vielen hundert Bärenbegegnungen haben wir nicht erlebt, dass uns ein Bär direkt anblickte, sie taten immer so, als hätten sie uns nicht gesehen.

Trotz aller Liebe zu diesem Tier will ich nicht behaupten, dass der Bär ein völlig ungefährliches Tier ist. Er ist von großer Körperkraft und guten geistigen Gaben und wir, die Menschen, sind es, die in sein Reich eindringen. Diese Störung liebt er gar nicht, vor allem, wenn er ein Luder hat. Das teilt er nicht, weder mit Artgenossen noch mit Menschen. Und so ist das schon die häufigste Unfallursache, die Überraschung am Luder oder aber auch in einer Ruhephase. Die Meinung, dass Bärinnen mit Jungen generell gefährlich sind, teilen wir nicht . Gerade ältere Bärinnen können sehr tolerant sein. Wir haben da schon die unglaublichsten Beispiele erlebt. Eines  unserer Erlebnisse hätte durchaus für ein Kapitel im Buch „Bärenunfälle und ihre Ursachen“ gereicht. Junge Bärinnen, die das erste mal führen, sind oftmals sehr protektiv und nervös. In einem solchen Fall haben wir einmal einen Scheinangriff erlebt. Junge Bären, die gerade von ihrer Mutter abgesetzt wurden, können wegen ihrer Neugierde, Dummheit oder dem ewigen Hunger dem Camp eines Menschen sehr unangenehm werden.

 Ein Teleobjektiv kann täuschende Wirkung haben.
Foto: Sandro Crivelli
 Ein Kadaver eines jungen Buckelwals strandete hier.
Foto: Sandro Crivelli
   
 
 Mindestens vier kapitale Bären und
viele andere hatten sich hier versammelt.
 Die Konkurrenz schläft nicht. 

Es gibt aber auch einen großen Unterschied zwischen Bären in einer wenig vom Menschen besuchten Wildnis und zum Beispiel im Katmai National Park und Preserve, wo sie ständig Anglern und „bear watchern“ begegnen und schon den Umgang mit Menschen gewohnt, „habituated“ sind.

Wenn man dieses beachtet, kann man sich durchaus sicher im Bärenland bewegen. Einer vor Jahren gemeinsam vom Nation Park Service mit dem U.S. Wildlife Service und dem Alaska Department of Fish and Game verbreiteten Druckschrift  zufolge, betreffen 75 % aller Bärenunfälle Einzelpersonen, der Rest entfällt auf zwei Personen und Gruppen, diese werden aber so gut wie nicht angegriffen.

Sollten Sie jemals das große Glück haben, Bären in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, wünsche ich Ihnen viel Freude an diesen Begegnungen.

"Eine Nadel fiel von einer Fichte: der Adler hat es gesehen, der Hirsch hat es gehört und der Bär hat es gerochen“. Diese indianische Weisheit gibt sehr schön die unterschiedlichen Gaben dieser Tiere wieder.

  Unser Camp am Cape Douglas ... und am Moraine Creek. In den letzten Jahren benutzten wir einen Elektrozaun.
   
 Das Ende einer schönen Zeit im Bärenland. Eine fast schon historische De Havilland Beaver holte uns ab.  Das war der "Diver" (Taucher), ein Methusalem. Er war siebenundzwanzig Jahre im Brooks Camp bekannt, dann kam er nicht mehr aus dem Winterlager. Er war der einzige Bär, de je gelernt hat, im Tauchen zu fischen.

zur Galerie Braunbären