Fernweh war es wahrscheinlich wieder einmal, als mir einfiel, dass ich in diesem Blog meine Bilder von dem Riesen-Fischuhu (Bubo blakistoni) zeigen und darüber berichten könnte. Dazu suchte ich erst einmal meine Reisetagebücher heraus, um nachzuschlagen, was mich dazu bewegte. Drei Reisen machte ich dorthin, eine davon mit meiner Frau, sie zählen zu den angenehmsten unserer zahllosen Reisen im Dienste der Naturfotografie. Wir waren immer Individualreisende, schon um ungestörter arbeiten zu können denn in einer Gruppe hat man sehr viel weniger Gelegenheit, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung herzustellen. Meine Reisetagebücher und die meiner Frau sind ein Lobgesang auf die Gastfreundschaft, die wir auf Hokkaido erlebten. So war es auch mit der Kontaktherstellung zu der Gelegenheit, Fischuhus, die ich vorher gar nicht kannte und hier so gut fotografieren konnte, eher Zufall. Ich hatte hier einen englischen Fotografen kennengelernt, der mich darauf aufmerksam machte und mir den Platz an einem Bach zeigte. Das eine Bachufer erinnerte stark an ein Fotostudio, Blitzgeräte mit und ohne Kabel und auch einem Scheinwerfer, denn Eulen jagen nun einmal Nachts. Am anderen Morgen kam ich noch einmal zurück an diesen Platz und da war in der kleinen Lodge nebenan ein langer Frühstückstisch gedeckt. Gefrühstückt hatte ich zwar schon, aber ich ging trotzdem hinein und traf gleich die richtigen Leute. Ich wurde nicht nur herzlich empfangen, sondern es wurde mir auch gleich ein Platz am Bach für den Abend angeboten, musste aber passen, denn darauf war ich mit meiner Ausrüstung nicht eingerichtet. Aber der Kontakt war für die Zukunft hergestellt.

Im folgenden Jahr reiste ich mit meiner Frau und wollte mit ihr im Woody Hotel in Tsurui, das ich so sehr schätzte, absteigen. Es ging aber nicht, zu viele Fotografen waren schon da und es war Wochenende. Aber die Besitzerin erinnerte sich meiner und bot an, uns privat bei Freunden auf einer Farm unterzubringen, „aber es wird laut, da wird eine Hochzeitsparty gefeiert“, warnte sie uns. Wir haben auf unseren vielen Reisen gelernt, uns anzupassen und hatten damit kein Problem. Wir fanden auch bald die sehr einsam gelegene Farm. Hier wurden wir zuerst von einem großen schwarzen Hund....nein, es war ein schwarzes Schwein, das frei herum lief, freundlich begrüßt. Nach allen, für uns sehr besonderen Formalitäten wurde es ein aufregender Abend mit einem opulenten Dinner. Es wurde an diesem Abend aber nicht, wie üblich in Japan, mit Stäbchen gegessen. Fast alle sprachen mehr oder weniger gut englisch, einer war auch schon in Deutschland gewesen. Alle kannten Michio Hoshino, den seinerzeit weltbekannten japanischen Naturfotografen. Sie waren sehr interessiert, als sie hörten, dass wir ihn und seine liebe Frau in seinem Haus oberhalb des Chena Rivers in Fairbanks, Alaska besucht haben. Das Dinner bei ihnen ging über Stunden und war hervorragend. Das brachte mir strafende Blicke meiner Frau ein, hatte ich etwa zu viel gegessen? Wir werden diesen Besuch nie vergessen, denn dass wir einmal von einem gebürtigen Japaner und naturalisiertem Amerikaner auf die deutschen Schriftsteller, Thomas Mann und Michael Ende, angesprochen werden, das hätten wir uns nie vorstellen können. Die Bitte an Michio, eine Einladung als Vortragender zum Fotofestival nach Vargarda, Schweden, anzunehmen, wurde im folgenden Jahr erfüllt. Er kam danach auch noch nach Deutschland. Leider wurde dieser phantastische Mensch und Künstler dann 1996 auf Kamchatka das Opfer eines tragischen Bärenunfalls. Ausgerechnet er, der die Bären so gut kannte und liebte. Wir hatten also auf dieser Hochzeitsparty ganz interessante Gespräche.Aus unserer Fischuhu-Fotografie wurde es leider nichts in diesem Jahr, aus verschiedenen Gründen, u.a. hatte sich die Kontaktadresse geändert.

Bei meinem dritten Besuch klappte es aber endlich, ich bekam dreimal einen Platz am Fluss , hatte zwei infrarot gesteuerte Blitzgeräte, eines auf der Kamera, ein zweites etwas näher am Ort des Geschehens und bekam so ein paar Bilder von dem Riesen-Fischuhu, engl. Blakiston`s Fish Owl. Mit einem Transmitter wäre es vielleicht noch besser gegangen. Acht Autos standen am Ufer, einige Fotografen arbeiteten mit Kabelfernauslösung. So wie ich arbeiteten die überwiegenden Canon-Fotografen mit der Infrarot-Fernsteuerung. Wir mussten uns erst einmal über die Nutzung der vier damals zur Verfügung stehenden Kanäle einigen. Aber die Nachbarn waren alle sehr nett und hilfsbereit.

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  • Riesen-Fischuhu/Blakiston`s Fish Owl/Ketupa blakistoni
  • Riesen-Fischuhu/Blakiston`s Fish Owl/Ketupa blakistoni
  • Riesen-Fischuhu/Blakiston`s Fish Owl/Ketupa blakistoni

Ein anderes lohnendes Photo-Objekt waren die Seeadler von Hokkaido, sowohl der eurasische Seeadler, engl. White-tailed Eagle, als auch der Riesenseeadler, engl. Steller`s Sea-Eagle. Dieser brütet hauptsächlich an der russischen Pazifikküste der Beringsee, den nördlichen Kurilen-Inseln und auf Kamchatka. Etwa 2000 überwintern im Bereich der Shiretoko Halbinsel. Bis hier reicht im Winter die arktische Treibeisgrenze. Hokkaido gilt als subarktisch und ist bekannt für harte und sehr schneereiche Winter. Die Kleinstadt und der Fischereihafen Rausu liegt neun Breitengrade südlicher wie meine Heimatstadt Lübeck (530 N). Von hier aus fahren im Winter Ausflugsschiffe mit Besuchern an die Treibeisgrenze. Sie haben natürlich Fisch oder Fischabfall an Bord und so ist der Erfolg garantiert. Man muss nur etwas Glück mit dem Wetter haben.

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Als Kranich-Fan waren natürlich die Mandschurenkraniche, engl. Red-crowned Crane, jap. Tancho, der Hauptgrund für meine Reisen. Dieser wunderschöne Vogel gilt auf Hokkaido als Erfolgsstory des Naturschutzes, der Bestand hier beträgt über 1200 Vögel (2008) nachdem er Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts fast ausgestorben war. Früher wurde er stark verfolgt, obwohl er als heilig galt. Man hatte gerade noch rechtzeitig erkannt, wie sehr der Kranich in seinem Bestand gefährdet war und es erhob sich eine Welle der Hilfsbereitschaft über das Land. Erst sehr spät erkannte man, dass es sich keineswegs nur um Wintergäste handelte, sondern das Hokkaido eine eigene Population hat. Diese wandern nicht, im Gegensatz zu den chinesischen Verwandten und der sibirischen Population im Bereich der Flüsse Amur und Ussuri, die im Winter südwärts wandert. Erst Anfang der siebziger Jahre entdeckte man im Kushiro-Shitsugen Feuchtgebiet bei einem Überflug über fünfzig Kranich-Nester. Im Winter wird der Tancho an zwei Plätzen gefüttert, im Tsurui-Ito Bird Sanctuary (Tsurumidai) und am Akan International Crane Center. Es wird hier auch mit Fisch gefüttert, was dazu führt, das eine halbe Stunde vor den Fütterungszeiten die ersten Seeadler und andere Greife auftauchen um den Kranichen das Futter streitig zu machen.

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Unser Besuch auf Hokkaido, der nördlichsten Insel Japans, galt eigentlich den Mandschurenkranichen in den Flußauen des Kushiro Rivers. Aber unsere Neugierde ließ uns das Land erkunden und das war gar nicht so einfach. Der Autovermieter hatte uns zwar stolz das gerade aufkommende Navigationsgerät des Autos ausgiebig erklärt, aber wir konnten die japanischen Schriftzeichen nicht lesen. Mit der uns gegebenen Landkarte war es das gleiche. Nur der Abgleich des Straßennetzes mit einer in Kanada gedruckten englischsprachigen Karte half uns und so fanden wie auch den Lake Kussharo. Dieser war zur Zeit unseres Besuches im Februar tief gefroren. Dazu muss man wissen, das Hokkaido trotz seiner geringen nördlichen Breite als subarktisch gilt, die arktische Treibeisgrenze erreicht im Winter die Insel. Die Nordspitze Hokkaidos liegt auf 45°.30' Grad, auf dieser Breite liegt in Europa Venedig. Die Insel ist ungewöhnlich schneereich, kein Wunder, das die Olympischen Winterspiele in Sapporo stattfanden. Wir sahen sogar überdachte Straßenabschnitte.

Das hier trotzdem Singschwäne rasten hängt mit den heißen Quellen (jap. Onsen), zusammen, die es hier wie überall in Japan gibt, denn Japan ist nun einmal von Vulkanen geprägt. Diese Thermalquellen werden besonders gerne vom Menschen genutzt und spielen in der japanischen Kultur eine wichtige Rolle. Versehen sind sie mit Umkleideräumen, diese gibt es von luxuriös bis schlicht und einfach. Sie sind fast immer in schöner Natur gelegen. Eine solche eine Anlage gibt es auch am Lake Kussharo, geteilt von Mensch und Tier, eben den Singschwänen. Die Dampfschwaden, die bei der hier eisigen Kälte entstehen (bis -30 0 ) bieten gute Fotomöglichkeiten. Das Bad ist von ergreifender Schlichtheit, ein natürliches Becken von Felsen eingefasst, in der Mitte ein besonders großer Stein, der die Damen- von der Herrenabteilung trennt. Dazu gibt es zwei kleine Blockhütten als Umkleide und zur Vorreinigung gedacht. Bei dem sehr heißen (über + 400) Bad kann man dann den Schwänen zuschauen und zuhören. Wir hatten bei dem Ausflug an diesem Tag leider nicht an Badezeug und Handtuch gedacht, aber bei anderen Gelegenheiten haben wir sehr die Bäder in den Onsen genossen.

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