Ja, der Name ist falsch und ist nur im übertragenem Sinne zu verstehen, obwohl es im Verhalten zum Eurasischen und Nordamerikanischen Wolf doch einige Parallelen gibt. Noch mehr daneben ist allerdings der offizielle deutsche Name „Hyänenhund“, denn mit den Hyänen ist er nun überhaupt nicht verwandt. Die englischen Namen „African Wild Dog“ oder „African Hunting Dog“ treffen auf diesen echten Caniden viel besser zu.

Dieser afrikanische Wildhund ist leider vom Aussterben bedroht, er steht auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet und ist bereits aus weiten Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes verschwunden. Das gilt besonders für die Savannen Ost-Afrikas, während er in Botswana, Sambia und Zimbabwe noch häufig vorkommt. Einer der Gründe sind wohl die Hundekrankheiten, die der weiße Einwanderer aus Europa mitbrachte und die von den vielen halbwild herumlaufenden Dorfhunden übertragen wurden. Der Hauptgrund war aber das so genannte „farm clearing“ wie es früher betrieben wurde, das heißt, Farmer bestellten einen Berufsjäger, der alles totschoss, was der Mensch als Nahrungskonkurrent ansah. Da gehörten durchaus auch Nashorn oder Elefant dazu, denn schließlich verwüsteten sie ja die Maisfelder und da hatte auch der überaus effektive Jäger, der Wildhund keinen Platz. Dieses hoch sozial lebende Wesen jagte manchmal in Rudeln von bis zu fünfzig Mitgliedern zusammen. Der einzelne Angreifer setzt dem Beutetier manchmal nur einen einzigen Biss zu, dann kommt der nächste Hund aus anderer Richtung und macht dasselbe. So erleidet das Beutetier einen langsamen Tod, was natürlich vom Menschen als grausam empfunden wird und den Wildhund verhasst macht. 

Trotzdem die Zusammenarbeit innerhalb des Rudels so phantastisch funktioniert, glaubten früher Verhaltensforscher, dass es innerhalb des Rudels keine Rangordnung gäbe. Das hat sich als falsch herausgestellt, der Alpha-Rüde beziehungsweise die Alpha-Hündin treten nur nicht so offensichtlich erkennbar auf wie in einem Wolfsrudel. Ähnlich wie in einem Wolfsrudel werden auch bei ihnen rangniedere Hündinnen an der Mutterschaft gehindert. Ich sagte schon, dass der Hund in den Savannen Ost-Afrikas weitgehend ausgestorben ist. Jedenfalls in Somalia und allen Ländern nördlich der Sahara, Kenia? Ich bezweifele, dass es dort noch welche gibt. In Tansania gibt es noch einige wenige in der Ngorongoro Game Reserve. Es gibt sie noch in der Selous Game Reserve Süd-Tansanias und es soll noch welche geben im Ruaha National Park, doch als ich diesen besuchte, hielten sie sich angeblich in dem angrenzenden Preserve Teil des Parks auf.

Ich habe sie in der Selous Game Reserve erleben dürfen, die ich besonders im Hinblick auf diese Wildhunde mit meiner Frau besuchte. Wir hatten bei unserer Ankunft nach ihnen gefragt und das unwahrscheinliche Glück wollte es, das sich ein vierzehn- bis fünfzehnköpfiges Rudel nahe unserer Lodge am Rufiji River aufhielt. Nicht nur das, wir hatten auch einen sehr guten Fahrer und Guide und ein Fahrzeug für uns allein, wofür wir sehr dankbar waren. Dies ist eine wünschenswerte Voraussetzung für eine erfolgreiche Naturfotografie. Selous Game Preserve ist nicht so sehr offene Savanne wie es der Wildhund gerne hätte, eher Busch- und Waldlandschaft. Das war ein Grund, weshalb es uns nicht gelang, Jagdszenen zu fotografieren. Der andere Grund liegt allerdings in den Bestimmungen heute fast aller Parks, nämlich das man bei Sonnenuntergang im Camp zurück sein muss und das ist genau die Zeit in der nicht nur die Hunde, sondern auch die Großkatzen zur Jagd aufbrechen. Sonnenaufgang? Da muss man ja schon um 5 Uhr in der Frühe aufstehen und das wird von dem normalen Safari-Touristen nicht so unbedingt gewünscht und daher auch nicht als Start zur Safari angeboten. Leider, denn so gehen einem die Stunden mit dem besten Fotolicht verloren.

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Wir konnten ein Rudel mehrere Tage beobachten. Meistens lagen sie nur schläfrig um ein Wasserloch im Schatten alter Bäume herum oder spielten auch mal im Wasser. Auch den Leithund oder alpha-Rüden glaubten wir zu erkennen, denn dicht neben unserem Wagen hob ein starker Rüde seinen Hinterlauf und markierte nach Hundeart, dann sahen wir eine Unterwerfungsszene. Ein besonderes Erlebnis aber war, das ein starker Pavian an der Tränke erschien und es so zu einer Konfrontation mit einem Hund kam. Nun ist der Pavian das wohl am meisten unterschätzte Tier Afrikas. Der Leopard weiß durchaus, welch ein gefährlicher Gegner ein erwachsener Pavian-Mann ist, dieser hat ein fürchterliches Gebiss und er denkt gar nicht daran, ihn anzugreifen. Selbst in eine Pavian Herde dringt er kaum mal ein, hat er doch dann die ganze Bande am Hals. Am späten Nachmittag liefen die erwachsenen Hunde in einer gewissen Erregung aufeinander zu, es sah so aus, als verabredeten sie sich zu einer Jagd. Die sechs ca. 6-8 Monate Welpen des Rudels wurden auch ganz aufmerksam, spielten erst noch mit einem belaubten Zweig und folgten später dem Rudel mit Abstand. Wir verloren das Hunderudel aus den Augen, sie waren weitergewandert. Uns hatte es jedoch in kurzer Zeit einen tiefen Einblick in sein Sozialleben gegeben.

Diese Erlebnisse waren mir Anlass, mich weiter mit ihrem Verhalten zu beschäftigen und um darüber zu berichten, brauchte ich weitere Informationen. So las ich ein Buch, das hieß „Solo, ein Hundeleben in der Serengeti“ und war geschrieben von Hugo van Lawick. Dieser war in den Sechziger- und Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein bekannter Tierfilmer, der vor allem durch die filmische Begleitung von Jane Goodall´s Verhaltensforschung an Schimpansen am Gombe River in Tansania bekannt geworden war und die er später auch heiratete. Folglich waren die Autoren des zweiten Buches Jane van Lawick-Goodall und Hugo van Lawick-Goodall. Der englische Titel dieses Buches war “Innocent Murders“, deutsch: „Unschuldige Mörder“. In diesem Buch berichteten sie über ihre Studien an dem afrikanischen Wildhund, an Goldschakalen und an Hyänen. Hier fanden wir einige der Verhaltensweisen, die wir beobachten konnten, wieder. Hugo von Lawick berichtet in diesem Buch, das 1972 erschienen ist, von Wildhundrudeln (Mehrzahl!) in der Serengeti. Kaum mehr als zwanzig Jahre später, 1996, wurde der letzte Wildhund in der Serengeti gesehen und fotografiert. Seitdem gibt es dort keine Wildhunde mehr.  Wir sollten noch ein zweites Mal die Gelegenheit bekommen den afrikanischen Wolf ausgiebig zu beobachten. Das war in Botswana an der Grenze zu Namibia am Linyanti River, der später als Chobe River in den Sambesi mündet. Dieses Gebiet und das Okawango Delta stellt heute das größte zusammenhängende Verbreitungsgebiet des Wildhundes dar. Wir hatten nicht nur das Glück ein Rudel über längere Zeit beobachten zu können, sondern auch nach einer halsbrecherischen Fahrt in einem speziellen Geländefahrzeug konnten wir sehen, wie sie ein Giraffenkalb erbeuteten. Das waren aufregende Minuten zur Zeit des Sonnenunterganges, alles ging unglaublich schnell und meine Frau und ich waren froh, das weder wir noch meine Fotoausrüstungung unfreiwillig den Wagen verlassen hatten.

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