Gefährlich meinen Sie? Nachdem meine Frau und ich uns viele Jahre mit der Fotografie von Braunbären beschäftigt und ihr Verhalten beobachtet haben, glauben wir das nicht mehr. Aber Angst ist menschlich und kaum zu beeinflussen. So gibt es Menschen, die glauben, dass, wenn sie im Bärenland sind, jeder Bär nichts anderes zu tun hat, als sich auf sie zu stürzen und sie zu fressen. Das Gegenteil ist aber der Fall, er versucht, wie jedes andere Tier, dem Menschen auszuweichen. Wir konnten das sehr schön auf den großen Wiesen und auf den Wattflächen an der Küste der Shelikoff Strait, Alaska, beobachten. Versuchte man sie zum Beispiel anzugehen, wenn sie beim „clam digging“, Graben nach Muscheln, waren, liefen sie zwar nicht weg, aber sie versuchten, Distanz zu halten. Auf den Bildern, die ich beim Angehen schoss, war eigentlich immer am besten das Hinterteil zu sehen. Wir machten die Erfahrung, dass man gute Fotos vom Verhalten der Bären nur bei stundenlangem, geduldigen Ansitzen schießen kann. Und dann sind sie plötzlich vertraut. Es macht ihnen überhaupt nichts aus, sich dem ruhig sitzenden Menschen bis auf nur wenige Meter zu nähern. Man muß sich aber bemerkbar machen, denn Bären äugen nicht besonders gut, wir sprechen dann in einem ruhigen Ton mit ihnen. Bären können auch sehr schreckhaft sein! Außerhalb der Parks wird der Bär bei ähnlichen Gelegenheiten oft in Notwehr erschossen, meistens grundlos, aber nicht jeder hat dann die bei Nahbegegnungen nötigen Nerven. Bei dieser Annäherung und auch bei anderen Gelegenheiten wird man feststellen, dass er den Menschen überhaupt nicht beachtet, ja, jeden Blickkontakt vermeidet. Das darf nicht fehlgedeutet werden und zu der Annahme verleiten, er hätte einen nicht gesehen.

Einen Bären zu täuschen, halte ich bei seinen guten Sinnen für unmöglich. Bei unseren vielen hundert Bärenbegegnungen haben wir nicht erlebt, dass uns ein Bär direkt anblickte, sie taten immer so, als hätten sie uns nicht gesehen.Trotz aller Liebe zu diesem Tier will ich nicht behaupten, dass der Bär ein völlig ungefährliches Tier ist. Er ist von großer Körperkraft und guten geistigen Gaben und wir, die Menschen, sind es, die in sein Reich eindringen. Diese Störung liebt er gar nicht, vor allem, wenn er ein Luder hat. Das teilt er nicht, weder mit Artgenossen noch mit Menschen. Und so ist das schon die häufigste Unfallursache, die Überraschung am Luder oder aber auch in einer Ruhephase. Die Meinung, dass Bärinnen mit Jungen generell gefährlich sind, teilen wir nicht . Gerade ältere Bärinnen können sehr tolerant sein. Wir haben da schon die unglaublichsten Beispiele erlebt. Eines  unserer Erlebnisse hätte durchaus für ein Kapitel im Buch „Bärenunfälle und ihre Ursachen“ gereicht. Junge Bärinnen, die das erste mal führen, sind oftmals sehr protektiv und nervös. In einem solchen Fall haben wir einmal einen Scheinangriff erlebt. Junge Bären, die gerade von ihrer Mutter abgesetzt wurden, können wegen ihrer Neugierde, Dummheit oder dem ewigen Hunger dem Camp eines Menschen sehr unangenehm werden. Es gibt aber auch einen großen Unterschied zwischen Bären in einer wenig vom Menschen besuchten Wildnis und zum Beispiel im Katmai National Park und Preserve, wo sie ständig Anglern und „bear watchern“ begegnen und schon den Umgang mit Menschen gewohnt, „habituated“ sind. Wenn man dieses beachtet, kann man sich durchaus sicher im Bärenland bewegen. Einer vor Jahren gemeinsam vom Nation Park Service mit dem U.S. Wildlife Service und dem Alaska Department of Fish and Game verbreiteten Druckschrift  zufolge, betreffen 75 % aller Bärenunfälle Einzelpersonen, der Rest entfällt auf zwei Personen und Gruppen, diese werden aber so gut wie nicht angegriffen.Sollten Sie jemals das große Glück haben, Bären in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, wünsche ich Ihnen viel Freude an diesen Begegnungen

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Eine Nadel fiel von einer Fichte: der Adler hat es gesehen, der Hirsch hat es gehört und der Bär hat es gerochen“. Diese indianische Weisheit gibt sehr schön die unterschiedlichen Gaben dieser Tiere wieder.