Nur wenige Menschen haben überhaupt das Glück gehabt, die Geburt eines Zebras zu sehen und Fotos gab es meines Wissens bisher davon nicht. Auch von unseren vierbeinigen Freunden, dem domestiziertem Pferd, gibt es davon nur sehr wenig Material, da der Geburtsvorgang in aller Regel des Nachts passiert und Pferde, so erzählte man mir, können die Geburt bei Störung zurückhalten.

So war es natürlich ein besonderer Glücksfall, als wir, das sind meine Frau, unser Fahrer Charles Muhia und ich, am Sonntag, dem 17. November bei einer etwas verspäteten Abfahrt zum „Morning Gamedrive“ in der Masai Mara, Kenia, ein am Rande unserer Piste liegendes Zebra überraschten, bei dem der Geburtsvorgang schon zu weit fortgeschritten war, als daß er hätte gestoppt werden können. Der Fötus hing schon halb aus der Vagina. Verständlich, daß uns dieser ungewöhnliche Anblick in helle Aufregung versetzte. Auch unser Fahrer, der das ganze Jahr Naturfotografen aus aller Welt durch Ostafrikas Parks fährt, hatte die Geburt eines Zebras erst einmal gesehen. Durch unsere Störung stand das Zebra mühsam auf, tat sich aber zwanzig Meter weiter nieder, wiederum an den Rand einer offenen Fläche und nicht etwa im hohem Altgras.

Was nun folgte, war fast ein fotografischer Krimi: die Sonne war noch nicht aufgegangen und im Osten hingen noch einige dunkle Wolken am Himmel. So zeigte der Belichtungsmesser anfangs trotz des hastig eingelegten 400 ASA - Films nur 1/15 sec., und das bei 600 mm Brennweite, wir hatten unseren Abstand inzwischen auf ca. 50 Meter vergrößert. Aber ob 1/15 oder 1/30 sec., beide Zeiten bieten genug Gelegenheit, die Aufnahmen zu verwackeln, alleine schon durch den Schlag des Spiegels der Kamera. So saß ich denn zusammengekauert, die Ellbogen eingestemmt, im Sitz und hielt die Kamera krampfhaft mit beiden Händen fest.

Das man Filme pushen kann, darauf kam ich in meiner Aufregung erst beim zweiten Film, das ist ein auf 200 ASA gepushter Fuji Sensia RD 100. So langsam besserten sich die Lichtverhältnisse, beim dritten Film beleuchtete ein wunderbar warmes Licht die Szene. Inzwischen stand das Fohlen, noch sehr wackelig, auf seinen Läufen und wurde von der Stute beleckt und fortgeführt. Bis dahin waren höchstens zwei bis drei Minuten vergangen. Beim viertem Film, ca. 15 Minuten später, als das Fohlen auch schon nach dem Gesäuge suchte, da war es dann schon „business as usual“, jedenfalls vom Licht her gesehen. Man kann anhand der Lichtfarbe genau die Reihenfolge der Filme erkennen.

Bald zogen Stute und Fohlen mit der Herde weiter und ließen einen glücklichen, aber auch von Zweifeln geplagten Fotografen zurück. Wer kennt das nicht ? Bei so schnell ablaufenden Vorgängen fällt einem meist erst hinterher ein, was besser gewesen wäre. Ich hätte zum Beispiel blitzen können mit dem Televorsatz von Tory Lepp (lag im Koffer, mit dem Canon EZ 540, aber die Montage hätte zu lange gedauert!). Oder ich hätte die Spiegelvorauslösung einschalten können (warum nicht, K....?). Nächstes Mal habe ich aber mehr hochempfindliche Filme in Reserve. Schön nur, wenn man, wie ich in diesem Fall, die Zweifel mit seiner Frau teilen kann, denn die Ergebnisse sieht man als Fotograf ja erst Wochen später. Aber da war ich ein weiteres Mal erfreut, alles war gutgegangen, der Ausschuß war sehr gering.

Die Ausrüstung: Canon EOS 1 n, Objektiv EF 1:4/600 mm, montiert mit dem alten Arca-Swiss Monoball auf dem alten (besseren!) Novoflex Scheibenstativ, darunter ein Monostat Einbeinstativ. Filme: der Erste ein Fuji Sensia RH 400, der zweite ein Fuji Sensia RD 100 , Pushentwicklung auf 200 ASA, Nummer drei und vier Fuji Sensia RD 100, Normalentwicklung.

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